Eine Woche Buenos Aires - die Stadt die niemals schläft

Am 31. Oktober sind wir spätabends in Buenos Aires gelandet und in unser Hostel America del Sur, welches im Stadtteil Monserrat gerade an der Grenze zu San Telmo liegt, gefahren. Dieses Hostel wird nun für eine Woche unser zu Hause sein. Das Frühstück am nächsten Morgen war ziemlich enttäuschend, wo sind nur all die feinen Früchte aus Brasilien geblieben ;-). Mit Brot und Kornflakes, dafür aber mit feinem Kaffee, starteten wir in den Tag. Schon jetzt sei verraten, dieser endete spektakulär ;-).

1. November

Da Sonntag war, konnten wir dem grossen San Telmo Market einen Besuch abstatten und vorallem ich war beeindruckt von den vielen speziellen handgemachten tollen Gegenständen, die sie dort anbieten. Neben einigem Trödel, gab es viele Stände welche sehr kreativ sind. Am liebsten hätte ich einiges davon gekauft, da wir jedoch noch einige Zeit am reisen sind und ich meinen Rucksack nicht unnötig füllen will, verzichtete ich darauf. Auf dem grossen Marktplatz gibt es zusätzlich tolle kostenlose Tangodarbietungen.

Bereits um 15.00 Uhr holte ein Bus uns zum Fussballevent ab. Zuerst gab es so richtig fussballmässigen Fastfood mit Hotdog, Pommes und Chicken Wings. Nachdem die Mägen gefüllt waren, fuhren wir weiter zum Stadion von San Lorenzo. Wir schauten uns das Spiel "San Lorenzo - Temperley" an. Die argentinischen Fans sind unglaubliche Supporter. Von der ersten bis zur letzten Minute wird gesungen und die Mannschaft angefeuert. Das Spiel war schnell und San Lorenzo klar die bessere Mannschaft, sie haben auch mit 2:0 gewonnen. Kleine Zwischeninfo: Seit drei Jahren dürfen keine Fans vom Auswärtsteam mehr ins Stadion. Die vielen Ausschreitungen waren nicht mehr zu kontrollieren und der Polizei war dies zu viel. Ob man dies in der Schweiz auch einführen sollte sein dahin gestellt.

Am gleichen Abend spielte Boca Juniors gegen Tigre und BOCA wurde argentinischer Meister. Ein Teil der fast 20 spurigen Hauptstrasse "Avenida 9 de Julio" bis zum Obelisk am Plaza de la Republica wurde abgesperrt. Eine riesen Party und wir mitten drin. Wir haben uns auch beide ein Boca T-shirt bei einem Strassenverkäufer gekauft. Chris das blau-gelbe Fussballshirt und ich ein gelbes wo draufsteht BOCA Campeones 2015.

2. November

Am nächsten Morgen haben wir zuerst einmal ein wenig ausgeschlafen ;-). Danach machten wir uns auf den Weg einen ersten Teil dieser riesigen Stadt anzuschauen. Wir landeten am Plaza de Mayo. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Casa Rosada. Die Casa Rosada ist das Regierungsgebäude von Argentinien. Von dort hat schon Peron regiert und Evita ihre historische Rede vom Balkon gehalten. Jeder der den Film EVITA kennt, weiss jetzt was kommt "Don't cry for me Argentina". Evita ist und bleibt bei den "Portenos" so nennt man die Buenosaianer, ewig in guter Erinnerung. Dazu mehr später. Entlang dem alten Hafenareal im Stadtteil Puerto Madero spazierten wir zum Hostel zurück.

An diesem Abend habe ich zum ersten Mal nach über 20 Jahren meinen Coucousin Adrian wieder gesehen. Wir waren bei ihm und seiner Frau Eugenia und Tochter Luzia in seiner gemütlichen Wohnung zum Abendessen eingeladen. Wir unterhielten uns in Deutsch, Englisch und Spanisch und zum Dessert wurde sogar Glace bestellt. Das funktioniert wie eine Pizzabestellung. Sie bestellten ein ganzes Kilo mit vier verschiedenen Sorten und der Eismann bringt es vorbei :-). Es war ein toller Abend - vielen Dank nochmals für die liebe Gastfreundschaft.

3. November

Heute Morgen trafen wir Adrian im Stadtteil Retiro. Er nahm uns mit auf eine Biketour durch die Stadtteile Recoleta und Palermo. Adrian arbeitet als Tourguide in Buenos Aires und hat auch seine eigene Agency. http://reiseleiter.com.ar/ oder http://www.tourleader.com.ar/. Falls ihr Buenos Aires besucht unbedingt bei ihm eine Biketour oder eine sonstige Aktivität buchen. Es macht super viel Spass mit ihm und er kennt Buenos Aires und die Geschichte dieser Stadt wie seine Hosentasche. Auf der Tour besichtigten wir auch den wunderschönen Rosengarten. In Recoleta besuchten wir den Friedhof von Recoleta. Hier liegt alles begraben was in Buenos Aires Rang und Namen hatte. Die Gräber sind richtige Mausoleen. Auch Evita (Eva Duarte Peron) ist dort begraben. An diesem Abend liessen wir es uns so richtig gut gehen und verspeisten zusammen über 1kg Fleisch ;-). Ein paar Impressionen der Tour findet ihr hier.

4. November

Evita - auch wir wollten mehr über diese Frau erfahren und haben dem Museum einen Besuch abgestattet. Das Haus in welchem sich das Museum befindet, war 1948 das zweite temporäre Haus von Eva (Evita) und Juan Peron. Darin befand sich die Maria Eva Duarte de Peron Social Aid Foundation. Ein Heim für alleinerziehende Mütter und das mitten im wohlhabenden Palermo-Quartier. Eva Duarte Peron ein Frau mit vielen Facetten. Sie hat für das Stimmrecht der Frauen in Argentinien gekämpft und gewonnen und zusätzlich hat die Frau viel für die arbeitende Bevölkerung getan. Deshalb war und ist sie bei der Oberschicht nicht wirklich beliebt. Das kurze Leben einer Frau, sie wurde nur 33 Jahre alt, von welcher der Mythos auch heute noch weiter lebt.

Nach dem Museumsbesuch spazierten wir durch den Botanischen Garten und kehrten anschliessend zurück ins Hostel. Am Abend wurden wir von Adrian und Eugenia abgeholt. Zusammen fuhren wir im Taxi in den Südosten der Stadt nach Barracas. Im "Los Laureles" erlebten wir bei köstlichem Essen und gutem Wein, den echten argentinischen Tango. Hier wird bis spät in die Nacht getanzt. Egal ob Frau/Mann, Mann/Mann oder Frau/Frau der argentinische Tango fasziniert und tanzen können Sie alle unglaublich gut. Dieses Feeling und der Ort ist schwer zu beschreiben, wir sind einfach eingetaucht in diese Welt und hatten einen tollen Abend. Vielen Dank Adrian und Eugenia, dass Ihr uns diesen Ort gezeigt habt.

5. November

Heute gingen wir es zuerst ein bisschen ruhiger an. Erst am späteren Nachmittag, so gegen 14.30 Uhr trafen wir Adrian erneut. Zusammen mit drei weiteren Touristen traten wir nochmals in die Pedalen. Diesmal radelten wir durch das Naturschutzgebiet "Reserva ecologica" runter zum Parana Fluss. An dieser Stelle ist der Fluss "nur" 35 Kilometer breit. An der breitesten Stelle zählt er beinahe 200 Kilometer. Weiter ging die Fahrt in den Stadtteil "La Boca", vorbei am berühmt berüchtigten Stadion La Bombonera von den Boca Juniors, wo schon Diego Armando Maradona seine ersten grossen Erfolge feierte. Heute hat er im Stadion eine Ehrenloge.

La Boca ist das lebhafte Arbeiterviertel und liegt am alten Hafen und an der Boca Mündung des Rio Riachuelo. Wir stellten die Räder ab und liefen zu Fuss dem farbenfrohen Caminito entlang. Einheimische Künstler zeigen hier ihre knallbunten selbstgemalten oder gestalteten Bilder und Kunstwerke.

Zurück ging die Fahrt durch den verrückten Buenos Aires Strassenverkehr nach Retiro.

6. November

Ein Tag im Tigre Delta durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Reise startete bereits morgens um 7 Uhr. Mit der "Sub" fuhren wir zum Bahnhof Retiro. Dort stiegen wir in den Zug nach Tigre. Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde. An der Bootsanlegestelle trafen wir wieder Adrian. Mein Coucousin hat im Tigre Delta ein kleines feines Häuschen, zu welchem wir mit einem öffentlichen Holzboot fuhren. Mit diesen öffentlichen Schiffen wird alles transportiert was in den Häusern gebraucht wird. Von Essen, Trinken bishin zu Bettmatratzen alles wird auf dem Dach der Boote mitgeführt, denn es gibt keine Möglichkeit über den Landweg dorthin zu gelangen.

Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde, da natürlich unterwegs einige Passagiere bereits an ihrem Steg ausstiegen. Nachdem wir im Häuschen angekommen waren, machten wir schon bald darauf die Boote fertig und los ging die Paddeltour. Chris und ich im gelben Kanu und Adrian in seinem Kayak.

Während mehr als 2 Stunden paddelten wir durch das Delta und Adrian erklärte uns so einiges dazu. z.B. gibt es für die Kinder der Inselbewohner eine eigene Schule und es werden natürlich alle mit dem Schulboot von ihrem Steg abgeholt und nach der Schule wieder dorthin zurückgebracht. Das Delta des Flusses Parana ist riesig. Unzählige grosse und kleine Kanäle bahnen sich ihren Weg durch die Landschaft. Verschiedene Brücken oder Wasserläufe verbinden viele kleine und grössere Inseln miteinander.

Die Tour machte hungrig und zurück beim Häuschen, haben wir Salat bereit gemacht und feines Fleisch, Zucchini und Zwiebeln über einem offenen Feuer gebraten. Es war super lecker. Pappsatt gings schon bald wieder los zum Abholsteg, wo uns das Holzschiff zurück nach Tigre brachte. Dort verabschiedeten wir uns von Adrian. Für mich war es genial ihn endlich mal wieder getroffen zu haben und Chris hat nun noch einen weiteren Teil meiner Familie kennengelernt. 

Unser Fazit. Buenos Aires besitzt die breiteste Strasse der Welt, den breitesten Fluss der Welt, den besten Tango, den himmlischsten und höllischsten Fussball, die meisten Ecklockale, Hundeführer, Fussballstadien, Buchläden, Kinos und Theater südlich des Äquators, den schwersten Wein und das saftigste Fleisch sowieso. 
Die Zeit hier verging wie im Flug. Ich bin sicher dies war nicht mein letzter Besuch in dieser Stadt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Adrian Heynen (Dienstag, 01 Dezember 2015 13:03)

    Liebe Manuela und Christophe,

    muchas gracias! wie gerne ich Eure Erlebnise lese und natürlich über die Satdt Buenos Aires. Toll das Ihr Euch viel Zeit für BA genommen hat, um sie gemütlich zu erkunden. Mir selber macht es auch riesen Spass hier zu leben. Natürlich bin ich froh und dankbar den Ausgleich im Tigre Delta gefunden zu haben ;-) So schön Dich hier getroffen zu haben. Und weiter schöne Reise!!